Rob Guillory ist mir, wie den meisten anderen sicher auch, zuerst aufgefallen als Kollaborateur von John Layman bei dem sehr erfolgreichen Titel Chew. Guillory war für das gesamte Artwork verantwortlich. Layman schrieb und letterte. Ich hätte geschworen, Guillory sei auch Co-Creator – rein rechtlich – aber ein Blick ins Impressum der Omnivore Editon von Chew sag, Layman ist der alleinige Rechteinhaber. Das betrifft allerdings Deals und Verträge. Rein künstlerisch trägt Guillorys Artwork sehr zu Chews ganz besonderen Charme bei und hat einen großen Anteil daran, dass Laymans ungewöhnlicher Mix aus schrägen Ideen und überdrehtem Humor mit ernsthaften Untertönen und dramatischen Situationen funktioniert. Den so ungewöhnlich wie Chews Ton ist, so ungewöhnlich ist auch Guillorys Artwork. Zumindest im Kontext der populäreren US-Comicserien, wie man sie weitestgehend bei Image findet.
Sind die großen Vorbilder der deutlich von Superheldenzeichnern geprägten US-Szene vorwiegend Kirby, Ditko, vielleicht noch Wood. Bei Gillory scheint eher Harvey Kurtzman in der DNA zu stecken. Verzerrte Grimassen, verbogene Posen, Guillory wäre auch in MAD nicht fehl am Platz. Alleine die ganzen Gags im Background. Ich finde es grandios, nicht nur, weil es mal was anderes ist.
Warum erzähle ich das alles? Hier geht es nicht um Chew, sondern um Farmhand, der so wie ich das sehe ersten Creator Owned Serie von Guillory. Wie Chew ebenfalls bei Image erschienen, nur diesmal auch geschrieben von Guillory. Weil mich damals bei Chew die Prämisse um den Cop mit seinen besonderen Fähigkeiten zum Zugreifen bewegt hat, ich mich aber dann ins Artwork verliebt habe. Wenn also Rob Guillory was Neues macht, bin ich natürlich dabei, keine Frage? Hm…also direkt die Hefte hab ich mir jedenfalls nicht zugelegt. Vielleicht hab ich mal wieder den Start verpennt, oder ich hatte die Idee, die hin und wieder mal aufkommt, doch besser auf Trades zu warten, weil Aufbewahrung, Regal, einfach praktischer. Oder aber war hier die Prämisse nicht so recht greifbar. Es ist ’ne Weile her, genau weiß ich es nicht. Es würde mich aber nicht wundern. Denn daran hat sich auch nach dem Lesen nichts geändert.
Aber dazu später. Erst mal das, warum ich überhaupt dabei bin, das Artwork. Und das ist weiterhin super. Wenn überhaupt, dann sogar noch besser. Noch mehr Detailfreude. Noch mehr Variation in der Darstellung der Figuren, die dazu auch noch besser sitzen, konsitenter sind. Ein besseres Gefühl von Placing, mit gut durchdachten Backgrounds. Alles noch mal ein Level drüber. Das liegt vielleicht auch daran, dass Gillory diesmal sein Artwork nicht selbst koloriert, sondern sich Unterstützung von Taylor Wells geholt hat. Das entlastet ihn natürlich zum einen und gibt ihm die Möglichkeit sich mehr auf das Lineart zu konzentrieren. Zum andern gefällt mir persönlich die Colo von Wells auch besser. Alles sieht satter aus und hat viel mehr Lichtstimmung als bei Chew.
Also alles paletti, oder? Zumal Farmhand auch merklich in die gleiche Kerbe schlägt wie Chew. Ähnlich wie dort gibt es auch hier als Dreh- und Angelpunkt ein ungewöhnliche…ja wie solle man es nennen…biologische Eigenart in einer vermeintlich normalen Welt aus der sich weitere abstruse Ereignisse entspinne. Konkret ist es hier die Möglichkeit Pflanzen zu züchten, deren Früchte menschlichen Körperteilen entsprechen und diese ersetzen können. Augen. Nasen. Arme und Beine. Diese werden geerntet und im Bedarfsfall jemandem „drangepflanzt“. Eine schöne Idee. Und natürlich – auch hier die Parallele – bleibt es nicht dabei. Es gibt Geheimbünde, Agenten, korrupte Politiker, mutierte Hunde, geheimnisvolle Kreaturen, und das alles alleine in diesem ersten Band. Auch Chew mangelt es nicht an immer überdrehteren (gibt es ein schönes deutsches Wort für outlandish?) Ideen. Aber Layman schichtet diese auf, spinnt sie weiter und bringt genau dann was Neues, noch bekloppteres, wenn man sich gerade an den aktuellen Staus gewöhnt hat. In Farmhand passiert gefühlt alles gleichzeitig, ohne viel Aufbau und immer rechtzeitig für den Cliffhanger. Das wirkt gehetzt und lässt den Figuren als auch jeder einzelnen Idee wenig Zeit sich zu entwickeln. Einzig die Hauptfigur Zeke wirkt nicht wie eine überzeichnete Karikatur.
Und so weiß ich nach Band 1 – immerhin 5 Hefte – noch nicht, worum es eigentlich gehen soll. Ja, Familie ist ein Thema, DAS Thema. Aber auch das bliebt noch recht wage, wie eigentlich jede Idee wage bleibt. Ich weiß nur, alles ist geheimnisvoll, jeder hat eine Leiche im Keller. Aber wie das alles zusammengehört? „Ja Mensch, jetzt warte doch mal ab, ist halt erst der erste Band. Soll man alles direkt erklären?“ Nope, und ich bin auch recht sicher, dass alles wird irgendwann zusammengeführt und erklärt. Aber noch weiß ich nicht, ob ich das überhaupt alles wissen will. Es fehlt mir die Story, die ich ergründen will. Es gibt nur ein Setting, und dann einen Haufen unerklärlicher Ereignisse, die damit zusammenhängen. Das ist mir zu wenig, um mich zu packen. Zu sagen ich bin enttäuscht wäre zu viel, immerhin hab ich ja nicht so drauf gebrannt, dass ich den Titel bei Erscheinen unbedingt haben musste. Und auch das Trade stand wohl eher Jahre statt Monate im Regal, bevor ich es dann die Tage endlich gelesen habe. Aber ich hätte Farmhand einfach gerne mehr gemocht. Nicht auszuschließen, dass ich noch mal in Band zwei reinsehe. Hat aber keine Eile.

Farmhand Vol. 1 Reap What You Sown
Image Comics
Created, Written and Drawn by Rob Guillory
Colors by Taylor Wells
Letters by Kody Chamberlain
Graphic Design by Burton Durand
